SA-CCR der neue Standardansatz für Kontrahentenausfallsrisiken mit Herausforderungen

Die Überarbeitung der Capital Requirements Regulation (CRR) befindet sich auf europäischer Ebene bereits in der (Trilog-)Endverhandlung. Mit der Verabschiedung ist im kommenden Jahr 2019 zu rechnen. Dabei ist eine der wesentlichen Änderungen die Ablösung der Marktbewertungsmethode durch den neuen Standardansatz für Kontrahentenausfallsrisiken (Counterparty Credit Risk - SA-CCR). Dieser neue Standardansatz zur Berechnung der Risikopositionen für Derivate stellt mit der erwarteten zweijährigen Implementierungsfrist die Institute vor drei große Herausforderungen.

Herausforderung 1: "Wer rechnet SA-CCR?"

Hinter der Frage "Wer rechnet SA-CCR?" verbergen sich zwei Grundsatzfragen, die jedes Institut für sich beantworten muss:

  1. Welcher Bereich in der Bank ist verantwortlich für die Umsetzung der Berechnungsmethode SA-CCR?
  2. In welchem System wird der Risikopositionswert ermittelt?

Einige Institute lassen die Marktbewertungsmethode heute in ihrer Standard-Meldewesensoftware rechnen. Andere Institute wiederum rechnen selbst und verwenden beispielsweise ein vom Risikobereich verantwortetes System oder die Meldewesenvorverarbeitung. Selbst wenn die eigentliche Berechnung von SA-CCR in einer Standard-Software wie BAIS oder Abacus/DaVinci implementiert wird, gilt es, Folgendes zu beachten: Neben der Herausforderung von deutlich mehr Input-Daten ist zukünftig eine komplexere, institutsspezifische Vorverarbeitung zur Anlieferung dieser Daten zu erwarten. Vielfach überlegen Banken deshalb, die Berechnungsformeln eigens zu implementieren und auf der Vorverarbeitung aufzusetzen. Eine Implementierung der Berechnung in einem bankinternen System bietet neben eventuellen Kostenvorteilen zudem die Möglichkeit, Synergien zwischen den Themen SA-CCR, Limitsteuerung, Initial Margin-Pflicht und FRTB zu nutzen. Dadurch können Risikopositionen bereits deutlich früher im Verarbeitungsprozess auch anderen Abnehmern im Hause zur Verfügung gestellt werden. Die Grundsatzentscheidung "Wer rechnet SA-CCR?" ist daher frühzeitig zu treffen.

Herausforderung 2: "Abschätzung der möglichen Auswirkungen"

Täglich werden in den Handelsabteilungen der Institute Derivate mit langjährigen Laufzeiten abgeschlossen. Im Pricing dieser Geschäfte müssen bereits jetzt die erwarteten Auswirkungen von SA-CCR auf die Eigenkapitalkosten einkalkuliert werden. Zusätzlich ist hier der Aufschlag auf den Risikopositionswert durch den in SA-CCR eingeführten Alpha-Faktor von 1,4 zu beachten. Bedingt durch die komplexere Berechnung (siehe Abbildung) sind die tatsächlichen Veränderungen der Risikopositionen nur schwer im Vorhinein kalkulierbar.

Da der neue Standardansatz deutlich risikosensitiver ist, führen die neue Kalibrierung der Aufschläge und die aktualisierte AddOn-Berechnung (inkl. spezifischen Netting- und Hedging-Effekten) meist zu einer Erhöhung der Risikopositionen. Die begünstigte Behandlung von besicherten Netting-Sätzen, kann hingegen auch eine Verringerung dieser Positionen ergeben. Der neue Multiplikator berücksichtigt zudem die sogenannte "Moneyness" von Optionswerten und ist damit deutlich näher an der wirtschaftlichen Betrachtungsweise als die Net-Gross-Ratio in der Marktbewertungsmethode. Die von SKS durchgeführten Proberechnungen zeigen, dass diese gegenläufigen Faktoren keine pauschale Vorhersage über die Veränderungen von Risikopositionen einzelner Netting-Sätze zulassen. Insbesondere bei bilateralen, unbesicherten Portfolien, wie sie vermutlich bei vielen Instituten vorliegen, dürften sich deutlich höhere Risikopositionen und dementsprechend auch Auswirkungen auf die EK-Belastung ergeben. Verlässliche Aussagen im Hinblick auf die Auswirkungen für einzelne Portfolios oder das Institut selbst, lassen sich erst durch detaillierte Simulationen treffen. Um negativen Effekten der neuen Standardmethode entgegenzuwirken, sind entsprechende Maßnahmen frühzeitig zu ergreifen. SKS unterstützt Banken durch ein eigens dafür entwickeltes Simulations-Tool inklusive entsprechender Erfahrung, effektiv und rechtzeitig.

Herausforderung 3: "Daten"

Im Zuge der SA-CCR Proberechnung stellen die meisten Banken fest, dass für SA-CCR deutlich mehr Informationen benötigt werden (siehe Übersicht) als für die bisherige Berechnung (Marktbewertungsmethode) . Für die Beschaffung dieser Daten ist häufig nicht nur eine Erweiterung der IT-Schnittstellen, sondern meist auch die Implementierung gänzlich neuer Schnittstellen, beispielsweise für Vertragsdaten (aus den Besicherungsvereinbarungen), notwendig. Eine frühzeitige Planung des IT-Projektes zur Umsetzung von SA-CCR ist daher zu empfehlen.

 

Fazit:

SKS empfiehlt eine frühzeitige Betrachtung der Thematik SA-CCR, die idealerweise durch Proberechnungen unterstützt wird. Erkenntnisse daraus helfen der Bank, die Auswirkungen der neuen Standardmethode auf die Eigenmittelbelastung abzuschätzen und bereits vorab zu kommunizieren. Darüber hinaus werden durch Proberechnungen fehlende Daten und Schnittstellen erkannt und geben damit wichtige Erkenntnisse für die Planung des Umsetzungsprojektes.

SKS kann als führende mittelständische Unternehmensberatung für Banken im Bereich Regulatory und Risk Management bereits über die Implementierungs-Erfahrung des neuen Standardverfahrens SA-CCR berichten und unterstützt Banken von der organisatorischen Grundsatzentscheidung bis hin zu laufenden Proberechnungen und Produktivnahmen. Aktuell stellen wir unsere Expertise in den laufend stattfindenden Webinaren den Banken zur Verfügung und begleiten auch Sie gerne bei Ihrem SA-CCR-Projekt.

SKS Ansprechpartner: 

Dr. Carola Blömer, Senior Manager
E-Mail:    carola.bloemer@sks-group.eu

 

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