Neue Ausfalldefinition – Herausforderungen rechtzeitig erkennen

Die European Banking Authority (EBA) hat die Ausfalldefinition nach Art 178 CRR finalisiert; die Einführung ist bis 2021 gefordert. Obwohl die Harmonisierung der Ausfalldefinition im Rahmen der Überarbeitung des IRB Ansatzes erfolgte, ist die Definition auch für Banken relevant, die den KSA nutzen. Die aktuelle Überarbeitung umfasst neben den finalen Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfalls auch Festlegungen der Materialitätsschwelle für überfällige Forderungen.
Aufgrund der heterogenen Behandlung der bisherigen Ausfallkriterien hat die Bankenaufsicht im Jahr 2016 die Definition der Ausfallkriterien 90 Verzugstage und Unlikeliness to Pay konkretisiert, sowie die Rückkehrbedingungen für das Lebendportfolio definiert. Zusätzlich wurde in einem zweiten Papier festgelegt, ab welcher Schwelle ein Exposure als erheblich gilt. Während die Ausnahmeregelungen für technische Ausfälle und Factoring geschärft wurden, wird aktuell die Abschaffung des Ausnahmekriteriums „180 Verzugstage“ empfohlen. Die Voraussetzungen für das Verwenden externer Ratings wurden ebenfalls spezifiziert.
Die Anforderungen an die Ausfalldefinition erfordern eine Überprüfung des bisherigen Umgangs mit der Zählung der Verzugstage und des Erkennens einer Unwahrscheinlichkeit des Begleichens einer Forderung. Insbesondere die Anforderung an zeitnahe, taggenaue Erkennung von Ausfällen erfordert einen hohen Grad an Prozess-Automatisierung und IT. Auch wenn die Einführung bis 2021 gefordert ist, sind rechtzeitige Auswirkungsstudien unabdingbar. Für IRB-Institute stellt der Aufbau einer, gemäß den neuen Anforderungen angepassten, Ausfallhistorie die größte Herausforderung dar. Während ein Anpassen der aktuellen Historie auf die neue Ausfalldefinition aufgrund der Granularität der Daten oftmals schwierig erscheint und somit ein entsprechender „Margin of Conservatism“-Aufschlag geschätzt werden muss, ist die rechtzeitige Anpassung der Ausfallerkennung zum Aufbau einer neuen, unverzerrten Historie essentiell. Insbesondere die Kohärenz der Historie, über alle Forderungsklassen und Tochterunternehmen hinweg, wir bei zukünftigen Prüfungen eine besondere Rolle einnehmen und bedarf einer Harmonisierung der Prozesse.

Bereichsübergreifende Integration – die endgültige Abkehr von Silos

Übergeordnetes Ziel und Thema vieler Workshops auf überregionaler und kompetenz-übergreifender Ebene ist und bleiben Bestrebungen der Harmonisierung auf europäischer Ebene. Von der Intensivbetreuung über Forbearance und NPL bis zum Ausfall sind Organisationseinheiten, Prozesse und letztlich Daten betroffen, welche integrativ – und nicht isoliert – u.a. die Bereiche Risikomanagement, Controlling, Meldewesen, Rechnungswesen und die Gesamtbanksteuerung betreffen. Dementsprechend müssen nicht nur Begrifflichkeiten, sondern auch Prozesse und IT-Strukturen diesen Anforderungen gerecht werden. Umfassend und explizit zeigte sich dies erstmalig beim Thema Risikovorsorge im Zuge von IFRS9 – ein Thema, ursprünglich aus dem Rechnungswesen, welches aber ohne weitreichende Kooperation und Abstimmung mit Risikomanagement, Controlling und Meldewesen nicht isoliert umgesetzt werden konnte. Folgende Grafik soll diesen Zusammenhang anhand der Prozesskette „Wertminderung – Ausfall – NPL“ verdeutlichen:

Der Bereich Risk Advisory unterstützt Ihr Institut gerne sowohl bei der konkreten Umsetzung der neuen Ausfalldefinition, als auch bei der übergreifenden Harmonisierung. Nutzen Sie – unverbindlich – die Kontaktmöglichkeiten!