Fundamental Review of the Trading Book – das überarbeitete Regime für Marktpreisrisiken

Konkretisierung der geplanten Regulierungsstandards zur Berechnung der Eigenkapitalanforderung für Marktpreisrisiken im Handelsbuch

Auf der Basis eines ersten Entwurfs vom Mai 2012 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht am 31. Oktober 2013 ein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitung der Eigenkapitalanforderungen für das Handelsbuch veröffentlicht (Basel Committee on Banking Supervision Consultative Document "Fundamental Review of the trading book: A revised market risk framework", October 2013). 

Die Vorgaben in ihrer jetzigen überarbeiteten Form regeln die folgenden Kernthemen und -bereiche:  

  • Abgrenzung von Handels- und Anlagebuch 
  • Überarbeiteter Standardansatz  
    (ist künftig auch dort obligatorisch zu berechnen, wo Institute über ein zugelassenes internes Marktpreisrisikomodell verfügen) 
  • Internes Marktpreisrisikomodell mit neuen Verordnungen zur Stresskalibrierung  
  • Bestimmung von Marktliquiditätsrisiken und Ausfallrisiken 

Dabei wird die Nichtberücksichtigung von Tail-Risiken im VaR auch im zweiten Konsultationspapier als wesentliches Problem angesehen. Dementsprechend wird die Risikobemessungsgrundlage für interne Modelle von VaR zur ES-Risikometrik (Expected Shortfall) mit einem Konfidenzniveau von 97,5 Prozent umgestellt. Der ES ist auch im überarbeiteten Standardansatz bei der Bestimmung von Risikogewichten durch die Aufsicht zu verwenden.

Eine Genehmigung und Validierung von internen Modellen erfolgt auf Trading Desk-Ebene mit drei quantitativen Zulassungskriterien: 

  1. P&L-Attributionsanalyse
  2. Tägliches Backtesting
    (1-tägiger VaR, sowohl für 97,5 Prozent als auch 99 Prozent Konfidenzniveau)
  3. Risk Assessment Too

Das Risikobewertungstool dient der Identifizierung von Trading Desks mit besonders illiquiden und komplexen Instrumenten, deren Kapitalunterlegung (auf Basis des internen Ansatzes) für potenzielle Liquiditätsengpässe – z.B. während einer Stressperiode als unzureichend eingeschätzt werden muss.

Das interne ES-Modell ist an einer historischen Stressperiode auszurichten. Demzufolge entfällt künftig die durch Summation des aktuellen VaR und Stressed-VaR erreichte und häufig kritisierte Doppelerfassung von Risiken. Zur Ermittlung der Stressperiode wird seitens der Aufsicht die sogenannte indirekte Methode vorgeschlagen. Das Institut darf sich dabei unter Einhaltung aufsichtsrechtlicher Anforderungen auf eine hinreichende Teilmenge wesentlicher Risikofaktoren beschränken.

Auch die bisherige Annahme eines einheitlichen 10-tägigen Liquiditätshorizontes für jede Marktrisikoposition steht zur Disposition. Sie wird künftig durch unterschiedliche Liquiditätsperioden pro Risikoposition ersetzt. Dabei wird das exogene Marktliquiditätsrisiko durch die Zuordnung der aufsichtsseitig vorgegebenen Risikofaktoren (insgesamt 24 Risikofaktorgruppen) zu einem der fünf verschiedenen Marktliquiditätshorizonte bestimmt. Entsprechende  Kapitalanforderungen werden dann durch die Anwendung der simulierten Risikofaktorschocks für den jeweiligen positionsbezogenen Liquiditätshorizont ermittelt.

Mehranforderungen – auch an die IT

Alle Institute müssen in Zukunft verbindlich den Standardansatz berechnen. Die Ergebnisse sind zwecks Schaffung einer Vergleichsgrundlage für institutsinterne Modelle zu veröffentlichen. Modellinstitute haben den Standardansatz für das jeweilige Trading Desk so zu ermitteln als wäre es ein regulatorisches Einzelportfolio. Gerade für Institute, die aktuell ein ausschließlich internes Modell im Marktrisiko verwenden, bedeutet dies möglicherweise die Notwendigkeit des Aufbaus einer neuen zusätzlichen IT-Anwendung. Institute, die zukünftig keinen internen modellbasierten Ansatz (mehr) verwenden wollen, müssen zwar „nur“ den neuen SA einführen. Dies dürfte für die Mehrzahl der Institute jedoch mit einem erhöhten Aufwand verbunden sein.

Mehr über das neue Rahmenwerk für Marktpreisrisiken und die potenzielle Auswirkungen der Vorschriften aus dem zweiten BCBS-Konsultationspapier erfahren Sie in unserem FRTB-Artikel im  RISIKO MANAGER.

Erste Auswirkungsergebnisse frühestens ab Juli 2014 

Zu den Auswirkungen der vorgeschlagenen Änderungen plant der Baseler Ausschuss voraussichtlich ab Juli 2014 die Durchführung einer quantitativen Auswirkungsstudie (QIS). Es ist anzunehmen, dass auf Basis der Ergebnisse dieser QIS die finale Fassung des überarbeiteten Rahmenwerks erstellt und veröffentlicht wird. 

Den neuen Herausforderungen jetzt schon mit Erfahrung begegnen 

Die SKS Group ist auf die Durchführung quantitativer Auswirkungsstudien spezialisiert, die wir immer wieder in Häusern unterschiedlichster Größe initiiert, realisiert und begleitet haben. Auch für die bevorstehende Marktpreisrisiko-QIS hat die SKS Group ein standardisiertes Vorgehen sowie ein verlässliches Tool für den überarbeiteten Standardansatz entwickelt.

Mit einem Tool alle operativen Auswirkungen im Blick  

Dieses Rechentool ist modular aufgebaut und besitzt eine generische Import-Schnittstelle für die geforderten Daten in den einzelnen Risikoklassen. In ihm sind das Formelwerk sowie die gesamte Aggregationslogik des Standardansatzes vollständig hinterlegt. Unsere Erkenntnisse aus der Durchführung diverser QIS-Studien zeigen, dass ein hoher Anteil der Aufwände bei der Datenbeschaffung,
-strukturierung, -abstimmung und -qualitätssicherung anfällt. Allerdings bietet der Einsatz einschließlich der Durchführung eines Datenerhebungs- und Simulationsprojekts den Vorteil, die operativen Auswirkungen schon im Vorfeld einschätzen und hinsichtlich ihrer Wirkung auf das erforderliche Eigenkapital simulieren zu können. 

Auf Ihren Wunsch präsentieren wir Ihnen unser diesbezügliches Vorgehen sowie unser Rechentool sehr gerne in einem persönlichen individuellen vor-Ort-Workshop.