Offenlegung

Mit der Einführung von Basel II wurde die erweiterte Offenlegung als Säule III elementarer Bestandteil des Baseler Grundkonzeptes. Hintergrund: Transparenzanforderungen sollten eine komplementäre Nutzung der Marktmechanismen für aufsichtliche Ziele ermöglichen. Gut informierte Marktteilnehmer -so die Annahme- honorieren eine risikobewusste Geschäftsführung und ein wirksames Risikomanagement in ihren Anlage- und Kreditentscheidungen und sanktionieren risikoreicheres Verhalten. Kreditinstitute haben so einen Anreiz, ihre Risiken zu kontrollieren, effizient zu steuern, sich also „vernünftig“ zu verhalten (siehe hierzu die Webseite der Deutschen Bundesbank zur Einführung von Basel II).

Im Vergleich zu Basel II enthält das in der Folge aus Basel III hervorgegangene CRDIV-Paket deutlich überarbeitete bzw. neue Offenlegungsanforderungen, mit wenigen Ausnahmen wurden die entsprechenden Vorschriften in der CRR mit deren Inkrafttreten per 01.01.2014 „scharf geschaltet“. 

Aktuell stellt neben dem Thema der Notwendigkeit einer häufigeren Offenlegung (siehe hierzu BaFin-Rundschreiben 05/2015) insbesondere die grundlegende Überarbeitung des „Offenlegungsframeworks“ der Säule III durch den Baseler Ausschuss (siehe finales Baseler Papier vom 28.01.2015) als „Offenlegung 2.0“ für die Institute eine große Herausforderung dar.

Ziel des neuen Baseler Rahmenwerkes zur Offenlegung ist die weitere Förderung der Marktdisziplin. Durch die neuen Vorgaben sollen Informationsasymmetrien weiter abgebaut und die Vergleichbarkeit von Informationen bezüglich des Risikoprofils von Banken -auch über Grenzen hinweg-  ausgebaut werden. Marktteilnehmer sollen Zugriff haben auf umfassende, aussagefähige Informationen über die wichtigsten Risikoparameter einer Bank, um Risikoprofil und Kapitaladäquanz richtig einschätzen zu können. Fokus der überarbeiteten Vorschriften zur Säule III sind weiterhin die Angaben zur Säule I. Wo erforderlich, sind zum besseren Verständnis für die Marktteilnehmer ergänzende, qualitative Informationen zu machen.

Das neue Rahmenwerk ersetzt das BCBS-Rahmenwerk von 2004 inkl. der Anpassungen vom Juli 2009 und ergänzt die in Anhang II des Papiers genannten, sonstigen veröffentlichten Dokumente des BCBS. Es ist relevant für international tätige Banken auf der höchsten Konsolidierungsebene. Die Umsetzung durch den Normengeber ist geplant per 31.12.2016, es wird empfohlen, die erste Veröffentlichung des Offenlegungsberichtes nach neuem Recht zusammen mit der Bilanz per 31.12.2016 vorzunehmen.

Im neuen Rahmenwerk geht es nicht nur um strukturiertere, sondern deutlich umfangreichere Darstellungen, als in der CRR gefordert und es kommt zur dezidierten Aufnahme einer Abstufung zwischen jährlicher, halbjährlicher und quartalsmäßiger Offenlegung. Dabei erfolgt die Umsetzung der neuen Offenlegungsanforderungen grundsätzlich durch 29 „Templates“ und 11 „Tables“ und zusätzlich wird eine Hierarchie eingeführt: Fixe Formate für Informationen, die wichtig sind, um die regulatorische Kapitaladäquanz analysieren zu können und flexible Formate, bei denen es um sonstige wichtige Informationen für die Marktteilnehmer geht.

Neuerungen Beispiel 1: Template „LI1“ 

Jährliche Offenlegung eines Templates, das, ausgehend von der individuellen Bilanz, die Unterschiede zwischen der handelsrechtlichen und aufsichtlichen Konsolidierung auf Einzelpostenebene der Bilanz herausstellt. Zudem findet ein Mapping der "bereinigten" Bilanzpositionen (also Positionen nach Anpassung an den aufsichtlichen Konsolidierungskreis) auf die aufsichtlichen Risikokategorien statt. Das Format ist flexibel, muss sich aber an der Bilanz des betroffenen Institutes orientieren.

Neuerungen Beispiel 2: Template „CCR5“

Halbjährliche Offenlegung eines Templates, das die Fair Values aller gestellten und erhaltenen Sicherheiten im Zusammenhang mit dem Gegenparteiausfallrisiko aus Derivaten und Repo-/Leihegeschäften abbildet. Dabei Differenzierung nach Sicherheitenarten und tlw. danach, ob diese Sicherheiten "insolvenzsicher" separiert gehalten werden oder nicht. Das Format ist fix.

Neuerungen Beispiel 3: Template „CCR7“

Vierteljährliche Offenlegung eines Templates, das die RWA-Veränderung von Gegenparteiausfallrisiken, die nach der IMM "behandelt" werden, abbildet. Dazu ausgehend vom Wert zu Beginn der Reportingperiode Abbildung einer Ableitungsrechnung für den Periodenendbestand. Das Format ist grundsätzlich fix, Banken können aber Ergänzungen vornehmen. 

[Quelle: finales Baseler Papier vom 28.01.2015]

Diese Beispiele stehen stellvertretend für die komplexeren Anforderungen des neuen Rahmenwerks und unterstreichen, dass eine Beschäftigung mit der Thematik schon jetzt angezeigt ist. Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass man offensichtlich auch auf europäischer Ebene am vorgeschlagenen „Umsetzungsfahrplan“ festhalten möchte: Es gibt Informationen, dass die EBA schon jetzt an Guidelines arbeitet, die die Institute in die Lage versetzen sollen, den Zeitplan einzuhalten.