Asset Encumbrance

Im Zuge der neuen europäischen Regelungen zur Eigenkapitalausstattung der Banken (CRD IV / CRR) veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) Ende März 2013 den ersten Entwurf der Ergänzenden Meldevorschriften zur Belastung von Aktiva (Asset Encumbrance). 

Regeln und Meldebögen sind inzwischen final verabschiedet.   

Mit dieser neuen Meldepflicht will der Gesetzgeber den Einblick der Aufsicht in die tatsächliche Verfügbarkeit der Aktiva der Institute zur Liquiditätsbeschaffung verbessern. Zwar finden sich beispielsweise verliehene Wertpapiere, Marginzahlungen, der Bundesbank verpfändete Wertpapiere oder im Deckungsstock befindliche Kredite als Vermögensgegenstände in der Bilanz. Insbesondere im Fall einer Finanzmarktkrise ist ihre freie Verwendbarkeit aber deutlich eingeschränkt. Nicht selten sind durch den Abschluss solcher Geschäfte (und der damit einhergehenden „Belastung“ der als Sicherheit/Unterlegung verwendeten Aktiva) weitere Nachschusspflichten bei Wertverlusten verbunden; in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das nichts Ungewöhnliches. Diesen Umständen trägt der neue EBA Standard dadurch Rechnung, dass die neue Meldepflicht sehr umfassend verschiedene Arten von eingeschränkter Verfügbarkeit der Vermögensgegenstände berücksichtigt.

Die erste Meldung zur Asset Encumbrance ist auf Basis des Stichtags 31. Dezember 2014 zu erstellen und bis zum 11. Februar 2015 einzureichen. 

Ergänzend zu den vierteljährlichen Reportinganforderungen hat die EBA im Dezember 2013 Leitlinien zur Offenlegung der Asset Encumbrance vorgelegt. Die Veröffentlichung der Leitlinien ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einem harmonisierten Offenlegungsregelwerk, das den Marktteilnehmern institutsübergreifende Vergleiche ermöglichen soll. Diese Leitlinien werden im Jahre 2015 einem Review unterzogen und auf Basis der daraus gewonnenen Erkenntnisse in einen bindenden ITS transformiert, den die EBA bis Anfang 2016 vorlegen muss.

Die im Rahmen der Leitlinien geforderte quantitative Offenlegung gleicht verkürzten Versionen der für die vierteljährliche Asset-Encumbrance-Meldung zu verwendenden Meldebögen „AE-Assets“, „AE-Collateral“ und „AE-Sources“. Im qualitativen Teil der Offenlegung sollen die Institute den Einfluss ihres Geschäftsmodells auf das Niveau der Belastung ihrer Aktiva beschreiben und die Wichtigkeit der Asset Encumbrance für ihre Refinanzierung erläutern. Das hierzu formal zur Verfügung gestellte Template beinhaltet letztendlich nur ein Freitextfeld. 

Nachdem die Meldevorschriften einschließlich der Vorgabe für die Offenlegung verabschiedet wurden, sind die Banken primär mit einer adäquaten Umsetzung der Anforderungen befasst. Allerdings wenden viele inzwischen ihre Aufmerksamkeit auch den qualitativen Hintergründen zu, die der Meldepflicht zu Grunde liegen. 

Die folgenden Fragen werden die Marktteilnehmer noch längerfristig beschäftigen:

  • Welche Encumbrance-Quote ist für mein Institut angemessen? 
  • Was erwartet der Markt?
  • Wie beeinflusst die Asset Encumbrance das Pricing von Produkten?
  • Welche Folgen ergeben sich für ein Bail-In?
  • Wie kann ich die Encumbrance-Quote beeinflussen und welche Auswirkung hat dies auf andere Kennziffern (z.b. EK Quote, LCR)?