FINREP 2.0

Am 26.03.2015 hat die EZB die finale Version der Verordnung über die Meldung aufsichtsrechtlicher Finanzinformationen (ECB/2015/13) veröffentlicht. 

Ziel der Verordnung ist ein einheitliches Finanzreporting und dessen Vergleichbarkeit innerhalb der EU sowie die Schließung bestehender Datenlücken. FINREP 2.0  liefert der EZB Transparenz über Ertrags- und Risikolage von EU-Banken. 

Der Anwenderkreis wird gegenüber den bisher bestehenden Regelungen erheblich erweitert. Waren bisher lediglich IFRS-Gruppen verpflichtet, Finanzinformationen zu liefern, unterliegen nun auch HGB-Gruppen und HGB-Einzelinstitute der Meldepflicht (die Meldung ist auf Basis von HGB-Zahlen nach IFRS-Struktur abzugeben). Darüber hinaus müssen Mutter- und Tochtergesellschaften sowie in Deutschland ansässige Tochterunternehmen von nicht durch die EZB beaufsichtigten Kreditinstituten (z.B. aus Großbritannien) ebenfalls Finanzinformationen in Form einer Einzelmeldung liefern.

Die Kriterien zur Bestimmung von Umfang und Anwendungszeitpunkt der Meldung gliedern sich in

  • Bedeutung: bedeutend, weniger bedeutend,
  • Berichtsebene,
  • Rechnungslegungsvorschrift: IFRS, national GAAP/HGB.

Nach der Definition des Artikels 6 Abs. 4 der EU-Verordnung Nr. 1024/2013 (SSM-Verordnung) gelten Institute als bedeutend bei Erfüllung einer der folgenden Kriterien:

  • der Gesamtwert der Aktiva des Instituts übersteigt 30 Mrd. EUR,
  • der Gesamtwert der Aktiva des Instituts übersteigt 5 Mrd. EUR und entspricht mehr als 20% des Bruttoinlandsprodukts  des Sitzlandes,
  • das Institut hat Unterstützung durch  EFSF bzw. ESM beantragt bzw. entgegengenommen,
  • die Aufsicht stuft das Institut als „bedeutend“ ein.

Bezüglich Berichtsebene wird zwischen Gruppen, Einzelinstitut, Mutter- oder Tochtergesellschaft sowie Niederlassung unterschieden.

Folgende Übersicht unterstützt bei der Ermittlung von Umfang und Erstanwendungszeitpunkt:

Eine Möglichkeit der Befreiung von der Einzelmeldung eines Mutter- oder Tochterinstituts einer Gruppe ist im Artikel 1 Abs. 2 der FINREP-Verordnung (EZB/2015/13) i. V. m. Art. 7 CRR, analog der Solvenzmeldung, begründet (Sog. „Waiver“-Regelung).

Hinsichtlich Umfang und Inhalt der Meldungen wird zwischen Full FINREP (65 Templates), SSFR –Simplified Supervisory FINREP (33 Templates), OSSFR – Oversimplified Supervisory FINREP (19 Templates) und Data Points (ausgewählte Meldepositionen aus 11 Templates) unterschieden. 

Die im Vergleich zu den bisherigen nationalen Meldeanforderungen für HGB-Anwender (z.B. BISTA, FinaV) deutlich erweiterten Berichtspflichten führen zu organisatorischen, inhaltlichen und prozessualen Herausforderungen.

Die rechnungswesenlastigen Meldeanforderungen fordern eine stärkere bereichsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Meldewesen und Accounting. Da zudem die Tabellen der FINREP-Meldungen hinsichtlich Ihrer Darstellung grundsätzlich auf der IFRS-Rechnungslegung basieren, erhöht sich der Meldeaufwand für HGB-Anwender. Darüber hinaus führt die Anforderung, Quartalsberichte auf HGB-Basis erstellen zu müssen, zu einem nicht zu unterschätzenden prozessualen Mehraufwand.  

Eine weitere neue Herausforderung für Institute, welche nach HGB bilanzieren, stellt die Erfüllung der Angaben zu Non Performing Exposure (NPE) und Forbearance Exposure (FBE) dar.

Die geforderte Abstimmbarkeit der Aufgliederungen der Finanzinstrumente nach Branchen, Produkten und Regionen, gepaart mit der Abstimmungsnotwendigkeit mit anderen Meldungen (z.B. BISTA, Asset Encumbrance) sowie Bilanz und GuV verstärken die Erfordernis einer entsprechend vorhandenen Datenbasis und Datengranularität.

 

Umsetzungsvorschlag und Unterstützungspotential seitens SKS

Aufgrund der langjährigen Beratungserfahrung und Expertise in den Bereichen Accounting, Risikomanagement, Kreditprozesse und Aufsichtsrecht sowohl auf der Fachseite als auch in der Umsetzung,  kann SKS die Institute mit inhaltlichem Know-how und Umsetzungskompetenz effektiv unterstützen. 

Zur Zielfindung und konkreten Planung des Gesamtprojekts empfehlen wir, eine Vorstudie/ Gap-Analyse durchzuführen, um mehr Transparenz und Entscheidungsklarheit zu erhalten.